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Liebeskummer

Herzschmerz - krank vor Liebeskummer

 

Wer kennt sie nicht, die Glücksgefühle, wenn wir uns verlieben. Auslöser für diese intensiven Gefühle ist ein körpereigener wahrer Glücks-Hormon-Cocktail, der uns wie eine Droge euphorisiert. Kommt es in diesem Zustand zu einer Trennung, dann versiegen die Glückshormone und lösen damit quasi Entzugserscheinungen aus, die als Liebeskummer erlebt werden. 

 

Liebeskummer - oft belächelt und bagatellisiert als ein typisches Teenager-Problem nach dem Motto: Liebeskummer lohnt sich nicht my darling, schade um die Tränen in der Nacht, weil schon morgen dein Herz darüber lacht.

Apropos Herz – Liebeskummer ist weit mehr als ein banales Pubertäts-Phänomen, dass mit einem Schokoladen-Trostpflaster geheilt werden kann. 

 

Liebeskummer kann in jedem Lebensalter auftreten, auch wenn langjährige Beziehungen vor dem Aus stehen. Die Reaktionen auf den Verlust eines Partners, einer Partnerin sind individuell und vielfältig. Die Palette der körperlichen Reaktionen reicht von Schlafstörungen, nachlassendem oder gesteigertem Appetit, Kreislaufbeschwerden, Magen-Darm-Problemen, innerer Unruhe und Anspannung bis hin zum Broken Heart Syndrom. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass emotionaler Stress, ausgelöst z. B. durch Partner-Verlust, Beschwerden auslösen kann, die denen eines Herzinfarktes gleichen und das Herz organisch nachhaltig schädigen können und deshalb in fachärztliche Behandlung gehören.

 

Gleichzeitig konfrontiert uns der Trennungsschmerz, den wir erleben, wenn wir vor dem Scherbenhaufen einer zerbrochenen Beziehung stehen, mit einer  Vielzahl von Verlusten. Wir verlieren den Menschen, Partner, Geliebten, mit dem wir gemeinsame Zukunftspläne geschmiedet hatten, dem wir blind vertraut haben und in dessen Nähe wir uns sicher, geborgen und geliebt fühlen konnten. Viele beschreiben den Moment des Verlassenwerdens, wenn die Liebe nicht mehr erwidert oder zurückgewiesen wird, als würde ihnen der Boden unter den  Füßen weggerissen, sie fühlen sich ohnmächtig, halt- und hilflos, alles scheint sinnlos, hoffnungs- und aussichtslos.

 

Das Selbstbewusstsein ist am Nullpunkt, Selbstzweifel und die immer gleichen quälenden Fragen kreisen unaufhörlich im Kopf: was hab ich falsch gemacht, bin ich es nicht wert geliebt zu werden, bin ich nicht gut genug? Je nach Temperament suchen sich diese Selbstzweifel ein Ventil und lösen ein negatives Gefühlschaos aus: Angst, Hass, Wut, Trauer, rasende Eifersucht, Verzweiflung. Sozialer Rückzug ist dann oft die Folge davon. In dieser Situation ist die eigene Aufmerksamkeit überwiegend auf die Trennung und die damit verbundenen Verluste fokussiert. Nicht selten machen sich dann Rachegedanken breit, manchmal auch Suizidgedanken.

 

Und jetzt die gute Nachricht: Liebeskummer ist behandelbar. Jeder erlebt Liebeskummer auf seine eigene Art und Weise. Es gibt keine Regel wie lange Liebeskummer dauert, wann er wieder vorüber ist. Entscheidend ist, dass Liebeskummer verarbeitet statt nur verdrängt wird. 

Happy Valentine

Ja ist denn schon wieder Valentinstag?

 

Ein Blick in den Kalender lässt keinen Zweifel: am 14. Februar ist Valentinstag.

Keine neue Erkenntnis, aber es schadet auch nicht, daran erinnert zu werden. Es ist der Tag der Liebenden sagen die einen, der Tag der Floristen sagen die anderen. Na klar – der Valentinstag ruft viele Anbieter auf den Plan, die ein Riesengeschäft wittern.

Aber es ist ja jedem selbst überlassen, ob und wie der Valentinstag begangen wird. Ich kann ein glühender Anhänger oder strikter Ablehner des Valentinstages sein, ich kann ihn feiern oder ignorieren, er kann Pflicht oder Kür sein.

Für uns ist jeder Tag ein Valentinstag, sagen die einen, deshalb wir brauchen keinen Extra-Feiertag für unsere Liebe. Besser einmal im Jahr unsere Liebe zelebrieren, als gar nicht, sagen die anderen, nachdem die Liebe zur unspektakulären Selbstverständlichkeit geworden ist oder sich schleichend aus dem Staub gemacht hat, heimlich still und leise oder auch mit viel Getöse.

Ursprünglich hatte der Valentinstag nichts mit Kommerz zu tun. Um seine Entstehung ranken sich unterschiedliche Mythen und Legenden, die teilweise bis in die Antike zurückgehen, den Volksglauben beeinflusst haben und zu den unterschiedlichsten Bräuchen geführt haben. Meist spielten dabei Blumen als Geschenk von Anfang an eine besondere Rolle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schwappte die Valentins-Welle dann – wie könnte es anders sein - allmählich von Amerika nach Deutschland. Vermutlich wurde der Valentinstag 1950 „offiziell“ mit dem ersten Valentinsballs in Nürnberg eingeführt. Im Laufe der Jahrzehnte sorgten Blumenläden und Floristen werbewirksam dafür, dass der Valentinstag immer mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung bekam.

 

Die treuen Fans des Valentinstages stehen alle Jahre wieder vor der entscheidenden Frage: auf welche Weise überrasche ich diesmal meinen  Lieblingsmenschen? Für vorausschauende Langzeitplaner ist nach dem Valentinstag vor dem Valentinstag, sie tüffteln das ganze Jahr und sammeln Ideen. Für die Spontanen bis Extremspontanen kommt der Valentinstag immer so plötzlich, sie vertrauen  auf  ihre Intuition und hoffen auf kurzfristige Eingebungen.

Grundsätzlich stellt sich natürlich auch die Frage: soll es ein ideelles oder materielles Geschenk sein, kaufen oder selber machen, koste es, was es wolle oder bleibt es im Rahmen eines eher kleinen Budgets?

Erlaubt ist, was gefällt.

Das Frühstück im Bett, die Liebesbotschaft an der Windschutzscheibe oder am Badezimmerspiegel, die romantische Verführung mit Candle-Light Dinner for two zum Auftakt mit anschließendem Kuschel- und Verwöhnprogramm, Erlebnisse zu zweit mit kulturellem Anspruch oder mit Wohlfühl-Wellness-Faktor. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Es dürfen aber auch gern die weniger fantasievollen Klassiker sein: rote Rosen, betörende Düfte, erotische Dessous,  schmückende Accessoires oder aber als Notlösung der last minute Blumenstrauß von der Tankstelle.

 

Im Grunde ist alles fast wie Weihnachten, eben nur am 14. Februar.

 

Und was passiert, wenn der Lieblingsmensch den Valentinstag verschusselt hat?

Vielleicht ist es ja gerade diese „rührende, entzückende Schusseligkeit“, die den Lieblingsmenschen so liebenswert macht, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht und am Anfang der Beziehung so warme Gefühle ausgelöst hat.

 

Und wenn nicht? Wie wäre es, dann einen Joker aus dem Ärmel zu schütteln und selber die Initiative zu ergreifen? Nach dem Motto: Schatz, ich hab da mal was vorbereitet.

Apropos Vorbereitung. Der nächste Valentinstag kommt bestimmt, und deshalb heißt es rechtzeitig miteinander reden, reden, reden......welchen Stellenwert, welche Bedeutung hat der Valentinstag, welche Erwartungen sind damit verbunden.

 

Na dann – happy valentine

 

Und jetzt bist du dran

was fällt dir zum Valentinstag ein?

Welche Erinnerungen tauchen auf?

 

Was sind deine must-haves oder no-goes an diesem Tag?

 

Weihnachtsstress – warum es an den Feiertagen so oft Stress gibt und wie Sie Weihnachten wirklich zum Fest der Liebe machen

• Alle Jahre wieder…

Die Erwartungen hängen hoch am Fest der Liebe, der Besinnlichkeit und Harmonie. Alles soll perfekt sein, vom möglichst gerade gewachsenen und in Trendfarben geschmückten Tannenbaum bis zum duftenden, knusprigen, auf den Punkt gegarten Gänsebraten, vom festlich gedeckten Tisch mit Schwiegermutters Hochzeits-Geschenk-Porzellan bis zu den liebevoll ausgesuchten Geschenken, ganz oft als Last-Minute-Einkauf und eher selten von langer Hand geplant. Schon Tage vor dem Fest dreht sich alles um das Highlight des Jahres und treibt so manch einem Schweißperlen auf die Stirn bei dem Gedanken, es könnte etwas schiefgehen. Schon ist´s vorbei mit der Besinnlichkeit – stattdessen machen sich Weihnachtsstress und Hektik breit. Weihnachten ist immer so plötzlich und wie (fast) in jedem Jahr muss noch so viel auf den letzten Drücker erledigt werden. Schließlich hat man ja (gefühlte) Verpflichtungen. Wie soll da Weihnachtsstimmung aufkommen?

• Weihnachten daheim?

Das Alternativ-Programm könnte die Flucht aus dem heimatlichen Weihnachtsstress an ein Traumziel sein, um die Feiertage nach eigenem Gusto zu verbringen – in einem 5-Sterne-Hotel mit Verwöhnprogramm oder in einer urigen einsamen Berghütte in unberührter Natur.
Aber auch diejenigen, die die Weihnachtstage dann doch lieber in den eigenen vier Wänden verbringen möchten, können eine ganze Menge zur Stressminimierung tun:

• Ein einziges Geschenk

Für jeden, der beschenkt werden soll, gibt es nur ein Geschenk. Wer wen beschenkt, wird im Vorfeld ausgelost. Damit das Geschenke-Verteilen mehr als nur reines Geschenkpapier aufreißen ist, muss jeder vor dem Auspacken eine kleine Aufgabe erfüllen, ein pantomimisch dargestelltes Weihnachtslied raten, ein vorbereitetes Bilderrätsel – das das Geschenk beschreibt – lösen, eine weihnachtliche Geschichte in Mundart / Dialekt vorlesen (z.B. Robert Gernhardt u.a. Erna, der Baum nadelt!). Natürlich kann es auch ganz traditionell ein kleines Gedicht sein.

• Aufgabenteilung

Damit die Vorbereitungen und der Weihnachtsstress im Wesentlichen nicht nur an einer Person hängen bleiben, werden Aufgaben vorher verbindlich verteilt. Wer macht was, wer hilft wem z.B. beim Baum schmücken, wer übernimmt welchen Gang beim Weihnachtsmenu, wer räumt auf, wer wäscht ab? Wenn sich keine freiwilligen Helfer finden, wie wäre es dann mit einem gemütlichen Essen außer Haus oder mit einem festlichen Essen, das bei einem Caterer bestellt wird?

• Pflicht oder Kür

Einfach mal das eigene Pflichtgefühl hinterfragen: muss die verbitterte, ständig nörgelnde Tante zwangsläufig an den Feiertagen eingeladen werden oder besucht werden, nur weil es immer so war – mit dem vorhersehbaren Ende, dass die Stimmung ziemlich schnell und regelmäßig im Eimer ist. Traditionen dürfen gebrochen werden, wenn es für das eigene Wohlbefinden wichtig ist.

• Muss es perfekt sein oder ist gut gut genug?

Je höher die Erwartungen, umso größer kann die Enttäuschung sein. Um wessen Erwartungen geht es, sind es meine eigenen Ansprüche oder die der anderen, und wie sieht es mit der Realisierbarkeit aus? Es lohnt sich, darüber nachzudenken, mit den Familienmitgliedern darüber zu sprechen und sich in Gelassenheit zu üben.

• Apropos Gelassenheit

Nur weil Weihnachten ist, lösen sich vorhandene Konflikte mit den lieben Verwandten und Bekannten leider nicht in Wohlgefallen auf. Auch wenn sich alle zu Beginn sehr viel Mühe geben, freundlichen Smalltalk zu treiben, ein lächelndes Gesicht aufzusetzen und die Contenance zu wahren, irgendwann brechen die alten Muster durch und die gute Laune ist dahin. Am besten legt man sich ein kleines neutrales Ersatz-Themen-Programm zurecht, um die Kurve zu kriegen, falls beim Weihnachtsessen heikle Themen und unbedachte Bemerkungen aufgetischt werden. Ignorieren und auf ein unverfängliches Thema umlenken kann definitiv die Stimmung retten.

• Nicht alles verplanen und nicht verplanen lassen

Wo steht geschrieben, dass die Weihnachtsfeiertage eine Non-Stop-Marathon-Veranstaltung sein müssen, die als One-Woman oder One-Man Show abläuft? Statistisch gesehen bergen die Weihnachtsfeiertage ein großes Konfliktpotenzial, weil wir uns verpflichtet fühlen und uns unter Druck setzen, tagelang, fast pausenlos mit dem erweiterten Familienkreis sehr eng bei einander zu sein und dabei auch noch endlos Freude und Harmonie auszustrahlen. So viel Nähe auszuhalten, will gelernt sein, vor allem wenn man sich im normalen Alltag / Arbeitsalltag problemlos aus dem Weg gehen kann. Auch oder besonders an Feiertagen ist es sinnvoll, sich kleine und größere Auszeiten zu gönnen, allein, zu zweit oder mit den Kindern etwas tun, was entspannt, gut tut und Freude macht. Am besten bereitet man die Weihnachtsgäste darauf vor, indem man von vornherein klare Ansagen über den Ablauf und das Ende der Feier macht. Dann können wir der erwähnten Statistik ein Schnippchen schlagen und Weihnachten in vollen Zügen genießen.

• Loriot

Und wer noch mehr hilfreiche Tipps für ein mehr oder weniger gelingendes Weihnachtsfest sucht, dem sei Opa Hoppenstedt „Früher war mehr Lametta!“ und „Weihnachten bei Hoppenstedts“ ans Herz gelegt.
Schon uralt, aber immer noch und immer wieder aktuell – finde ich.

In diesem Sinne unvergessliche, zauberhafte Weihnachten!

Passport, please!

Theresa Lachner als erfahrene Bloggerin und Lvstprinzip-Macherin hat mein Buch "Sex-Pass" gelesen und mir viele interessante Fragen dazu gestellt.

Passport, please!

In meinem Buch geht es ja darum, dass Paare Verbindendes und Trennendes in der partnerschaftlichen Sexualität entdecken. Es lohnt sich, gemeinsam darüber nachzudenken oder auszuprobieren, wie das sexuell Verbindende gestärkt werden kann, welche Kompromisse beim sexuell Trennenden für beide authentisch vorstellbar und realisierbar sind, und wo die Grenzen der Kompromissbereitschaft sind.

 Und jetzt sind Sie an der Reihe: Welche Kompromisse in der Sexualität sind für Sie unvorstellbar, ein no-go. Welche Kompromisse würden Sie nie im Leben eingehen. Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

 

 

Begegnung mit der inneren Hebamme

Ich freue mich, dass mein lieber Kollege Matthias Könning Lust und Ideen hat, ab und zu als Gast-Autor in meinem Blog zu schreiben.

 

Heute erscheint an dieser Stelle sein erster Beitrag:

 

Wenn Sie mehr über Matthias Könning erfahren möchten, dann besuchen Sie ihn gerne auf seiner website

http://matthias-koenning.de

 

In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es zu meiner Kinderzeit ein paar wenige Menschen, über die nicht mit ihrem Nachnamen gesprochen wurde, sondern mit ihrer Berufsbezeichnung. Zu diesen Personen gehörten der Doktor, der Pastor, der Polizist und der Apotheker.

 

Die Hebamme gehörte auch dazu. In meiner Erinnerung gab es für viele Jahre nur eine davon im Dorf. Darum hieß sie „die“ Hebamme. Sie war bei meiner Geburt dabei und bei den Geburten meiner Geschwister. Meine Mutter sprach mit Respekt von ihr und zugleich spürte ich im Reden auch ein Tabu. „Frag nicht näher! Darüber spricht man nicht! Das ist mir unangenehm.“ Warum, das kann ich nur vermuten. Immerhin wurden wir von unseren Eltern sexuell nicht aufgeklärt. Überhaupt nicht. Sexualität war ein Thema, das einfach in der verbalen Kommunikation nicht vorkam.

 

Aber mir geht es hier und heute um die Hebamme. Ich finde, dass es sich lohnt ihr mehr Aufmerksamkeit zu widmen und ich lade dich zum virtuellen Spaziergang ein.

 

Ich stelle mir vor, wie ich im Bauch meiner Mutter aufwuchs in den ersten Monaten meines Lebens. Im Bauch meiner Mutter erlebte ich meine erste geschlossene Welt. Dort gab es nur mich und meine Mutter. Dann gab es noch Geräusche, Licht und Traumzustände. Und es gab Veränderungen. Am Ende der Schwangerschaft die erste richtig große. So wie du und jeder andere Mensch musste ich raus in die Welt. Raus aus der dunklen Höhle und hinein in das grelle Licht der großen und weiten Außenwelt.

 

Ich wusste nicht, dass da draußen in der Nähe des Bauches meiner Mutter eine andere Frau stand. Eben die Hebamme. Eine, die spürte. Die hörte. Die beruhigte. Die ermunterte. Die ermahnte. Eine Frau, die eine Fülle von Möglichkeiten kannte, Mütter zu begleiten und Kinder zu unterstützen, auf die Welt zu kommen. Zum Zeitpunkt meiner Geburt konnte ich meinen Verstand noch nicht voll und ganz nutzen. Sonst hätte ich diese Hebamme als ersten fremden Menschen bewusst wahrgenommen. Eine fremde Frau hat mich „gehoben“ und stellvertretend „bemuttert“. Die Übersetzung des Wortes „Hebamme“ bedeutet so viel wie „Hebemutter“.

 

Meine „Hebemutter“ hat schon Wochen vor meiner Geburt angefangen mich zu beobachten und wahrzunehmen. Wie geht es meiner Mutter und wie weit bin ich in meinem Reifungsprozess. Erst, als alle Parameter stimmten, ging es los mit der Geburt. Alles an mir war fertig und ich war bereit zum Aufbruch durch den Geburtskanal. Es fehlte nur noch der letzte Impuls. Die Hebamme machte ihre Arbeit von mir völlig unbemerkt. Im Hintergrund. Hätte ich es ohne sie geschafft? Erst viele Jahre später nahm ich sie bewusst wahr. „Das ist die Hebamme! Das war auch meine Hebamme!“ Die erste fremde Frau, die mich nackt sah!

 

So viel erst einmal zur „biologischen Hebamme“. Ich finde es interessant, dass „Hebammen“ auch in anderen Zusammenhängen auftauchen. Ich entdeckte die Internetseite eines Therapeuten und Coach, der sich auch als eine Art mentale Hebamme verstand. Auch Flaschenöffner besitzen eine Hebammenfunktion. Damit kann ich den Kronkorken entfernen und an die flüssigen Inhalte kommen. Hebammen geben also eine Hilfestellung, irgendetwas auf die Welt zu bringen. Ein Kind, ein Gegenstand, ein Gedanke, ein Gefühl, ein Traum entsteht oft im Verborgenen. Dort reift es heran und kommt dann zum Vorschein.

 

Leider nicht immer! Manchmal ergeben sich Komplikationen. Das Kind kommt nicht heraus! Warum auch immer. Hier ist die Hebamme gefragt mit ihrer Erfahrung und Kompetenz.

 

Auch Gedanken und Pläne mögen manchmal nicht auf die Welt kommen. Alles scheint fertig zu sein für die Geburt und dann passiert nichts.  Und damit komme ich langsam zu meinem Kerngedanken und Grundanliegen. Wie kann ich das, was in mir ist und leben möchte, auf die Welt bringen? Oft geschehen meine Geburten total leicht. Es ist heiß, ich habe Lust auf ein Eis und Geld in der Tasche. Ich komme an einer Eisdiele vorbei und zögere keinen Augenblick. Ich kaufe und genieße!

 

An einem anderen Tag ist es wieder heiß. Ich habe Lust auf ein Eis und Geld in der Tasche. Ich komme an eine Eisdiele  und gehe vorbei und nicht hinein. Ich wundere mich dann, warum ich es nicht geschafft habe, dieses Eis zu kaufen und zu genießen.

 

 

 

Ich kenne einen jungen Mann, der viel Zeit braucht, seine Gedanken auf die Welt zu bringen. Er kann ganz fasziniert sein von irgendeiner Idee und ich sehe förmlich, wie er einen Gedanken bewegt. Dann fängt er mit einem Halbsatz an, den er ganz langsam ausspricht. Dann macht er eine lange Pause und ich beobachte, wie seine Augen hin und her wandern auf der Suche nach Worten. Dann wiederholt er den gleichen Halbsatz und es kreist weiter. Manche Zuhörer halten die Situation nicht aus und führen diesen Halbsatz weiter mit einem eigenen Vorschlag. Ich selbst spüre auch meine Ungeduld, zügle mich aber und warte ab und beobachte, was geschieht. Erster Halbsatz, denken. Ersten Halbsatz wiederholen, weiter denken. Den ersten Halbsatz anders betonen, und noch eine Schleife drehen. Und? Wirst du selbst schon ungeduldig? Oder möchtest du wie eine Hebamme seine Gedanken aus dem Hirn ziehen? Kannst du geduldig warten wenn du diese Zeilen liest? Dieser junge Mann ist für mich eigentlich ein geborener Philosoph. Der wiederholt in der Regel auch seine Sätze und kaut sie von allen Seiten mit einerseits und andererseits.  

 

In der Begegnung mit meinem jungen Freund wird mir das Wunder im eigenen Verstand bewusst. Ich kann fast gleichzeitig denken und diese Gedanken auf die Welt bringen. Leider wird mir manchmal erst nach dem Aussprechen bewusst, was ich da zur Welt gebracht habe. „War das wirklich mein eigener Gedanke?“

 

Als ich diesem jungen Mann länger zuhörte kam mir zum ersten Mal die Idee, ob wir Menschen in unserem Inneren so etwas wie eine Hebamme besitzen. Eine innere Hebamme, die ständig damit beschäftigt ist, das was in uns lebt, auf die Welt zu bringen. Mein junger Freund besitzt vielleicht keine Hebamme, die ihn unterstützt. Oder seine innere Hebamme arbeitet hauptsächlich in seinem Bauch und in seinem Herzen. Aber nicht so sehr in seinem Gedankentopf.

 

Zurück zur „Baby-Hebamme“. Wenn du im Bauch deiner Mutter eingekuschelt bist weißt du nichts von einer Hebamme. Deine Mutter erzählt dir irgendwann einmal davon. Genauso weißt du nicht, dass du im Inneren auch eine Hebamme besitzt. Du bist so damit beschäftigt, deine Gedanken zu denken und sie ins Wort zubringen, dass du die Hebamme im Hintergrund nicht bemerkst. Findest du die Idee verrückt? Abwegig? Wo sollte sie denn sitzen? Da hat doch noch nie jemand drüber gesprochen!

 

Ich möchte dir noch eine Geschichte erzählen. Ich war als junger Mann eingeladen zu einer Geburtstagsfeier. Im Garten standen Stehtische und alle waren gut besetzt. An einem Stehtisch standen ein junger Mann und eine junge Frau. Ich kannte beide, stellte mich dazu und freute mich auf einen netten Abend. Doch wenige Augenblicke später wurde ich vom Tisch weggezogen und aufgeklärt. Die beiden sollten unbedingt für sich bleiben! Keine Störungen durch dritte Personen.

 

Und das war die Situation: Er liebt sie und sie liebt ihn. Er weiß über Freundinnen von ihr, dass sie ihn liebt. Und sie weiß über Freunde von ihm, dass er sie auch liebt. Sie wissen also definitiv beide voneinander, dass sie sich lieben. Inzwischen wissen es alle – auch ich jetzt. Die beiden laufen um den Häuserblock und reden über alles. Nur nicht darüber, dass sie sich lieben. Sie stehen am Stehtisch bei der Party und es knistert. Aber kein Händchenhalten und keine körperliche Annäherung. Alles ist klar und leider auch völlig verzweifelt unklar. Wann endlich kommt das Kind der Liebe auf die Welt! Alle warten! Es ist schon längst überfällig. An dem Abend wurde es übrigens wieder nichts. Es dauerte noch ein paar Wochen und sie sind schon lange verheiratet. Ich weiß aber bis heute nicht, wie sie das geschafft haben.

 

Ich frage mich auch hier, warum das so lange gedauert hat? Ahnst du meine Vermutung? Die Hebamme dieser beiden war nicht an der richtigen Stelle. Sie saß vielleicht die ganze Zeit im Kopf, aber nicht im Herzen und vor allem nicht im Bauch!

 

Ich komme nun zu meiner Hypothese. Im Inneren eines jeden Menschen wohnt eine Hebamme. Sie übernimmt die Aufgabe, uns an einem ganz bestimmten Punkt der Entwicklung zu unterstützen. Sie möchte helfen, das auf die Welt zu bringen, was reif ist. Die innere Hebamme wechselt dabei je nach Bedarf ihren Aufenthaltsort. Sie muss sozusagen „mentale Drillinge“ betreuen. Im Verstand sitzt sie und sorgt dafür, dass die Gedanken ins Wort kommen. Am Herzen sitzt sie und sorgt dafür, dass die Gefühle ihren Ausdruck finden. Und im Bauch sitzt sie, damit wir in die Umsetzung unserer Pläne kommen.

 

Sie hofft, dass wir ganz eigenständig mit diesen drei Körperzentren zusammenarbeiten. Sie freut sich, wenn wir wie selbstverständlich unsere Gedanken ins Wort bringen, unsere Gefühle fühlen und in die Tat umsetzen, was Herz und Verstand sagen. Wenn die „Drillinge“ gut miteinander klarkommen hat sie nichts zu tun.

 

Leider sind wir Menschen sehr störanfällig! Wir lassen uns leicht kränken. Aufgaben überfordern uns. Wir fühlen uns irgendwie nicht richtig. Nicht genug geliebt. Manchmal erleben wir unsere Existenz wie eine Riesenbaustelle und sind erstaunt, noch nicht gestorben zu sein.

 

Weil wir also so sensibel und störanfällig sind und störanfällig sindtenz wie eine Riesenbaustelle und sind sagen. ich zum virtuellen Spaziergang ein.ist es gut, wenn wir uns eine innere Hebamme vorstellen können, die uns unterstützt beim Aussprechen der Gedanken und dem spüren der Gefühle.

 

Ist die Existenz einer inneren Hebamme nun eine Hypothese oder doch vielleicht reale Wirklichkeit? Bei einer Konferenz wurde gefragt, wer eine bestimmte Aufgabe übernehmen könnte. Ich zögerte nur einen kurzen Augenblick und zeigte dann meine Bereitschaft. Hinterher fragte ich mich, wer mich denn da wohl angestoßen hatte. Zugleich hätte ich nämlich gar nicht gewollt. Ich hatte ja genug zu tun. War da jemand anders mit am Werk? Die innere Stimme, die mir sagte: „Hey, mach mal. Ist genau richtig für dich! Die Zeit ist reif, dein Zögern aufzugeben!“

 

Ich gehe noch einen Schritt weiter. Die innere Hebamme muss nicht in Wirklichkeit existieren. Mir persönlich reicht es aus, dass ich sei mir vorstelle. Wenn du dir deine innere Hebamme vorstellen kannst, dann kannst du auch mit ihr in Kontakt treten. Das Kind im Bauch der Mutter weiß nichts von der Frau da draußen und kann auch nicht Wünsche und Bedürfnisse äußern. Die Hebamme ist angewiesen auf ihre eigene Intuition, ihre Erfahrungen und ihr Können.

 

Stelle dir doch einmal jetzt in diesem Augenblick deine innere Hebamme vor. Du beendest jetzt die vielen unbewussten Jahre eures Nebeneinanders und sprichst mit ihr. Spür einfach mal hin. Schließe dazu die Augen und gehe mit deiner Aufmerksamkeit nach innen. Wo vermutest du sie? Wo hält sie sich gerne auf? Wo muss sie oft sein, weil du dich schwer tust. Bist du blockiert in deinen Gefühlen und deine Hebamme versucht verzweifelt, ständig Steine und Geröll vom Herzen zu entfernen? Oder sitzt sie verstärkt in deinem Verstand und rettet dich wenigstens nachts, damit du nicht immer herumgrübelst. Oder sitzt sie im Bauch uns stößt dich permanent an, damit du endlich zur Tat schreitest.

 

Bislang hast du nichts gewusst von deiner inneren Hebamme. Du hast sie arbeiten lassen. Und sie hat treu alles für dich gemacht gut für dich gesorgt. Jetzt aber weißt du von ihr und du könntest anfangen, mit ihr gemeinsam zu arbeiten.

 

Hast du dich von deiner leiblichen Hebamme aus dem Bauch deiner Mutter ziehen lassen? Oder hast du deinen Teil dazu beigetragen? Warst du voller Angst im Bauch deiner Mutter und hast dich nicht getraut, den Weg nach draußen zu wagen und die Hebamme hat dich einfach gepackt! Egal ob mit oder ohne Angst? Oder hast du die Angst gespürt und bist trotzdem mutig einfach dadurch geflutscht?

 

Was würde sich in deinem Leben ändern, wenn du ab jetzt mit der hypothetischen inneren Hebamme arbeiten würdest. Würden sich deine Möglichkeiten ausweiten? Wenn ja, in welchem „Energiezentrum“?

 

Erinnerst du dich an meinen Freund mit dem ersten Halbsatz? Ich stelle mir vor, wie er ab jetzt mit seiner Hebamme arbeitet. „Hallo Hebamme! Hilf mir mal. Ich hab da so einen Gedanken und kann ihn nicht gut aussprechen. Ich bräuchte dich mal. Kannst du mich unterstützen?“ Dann würde seine Hebamme vielleicht sagen: „Mach ich gerne. Du machst deine Gedanken zu lang. Bis du sie aussprichst, hast du die Hälfte wieder vergessen. Verkürze deine Sätze. Dann geht es leichter.“

 

Das junge Liebespaar könnte ihre Hebamme um Unterstützung bitten und diese würde dann einfach einen Impuls in die Hände schicken für eine mutige Berührung.

 

Wie beginnst du nun mit deiner Arbeit? Der erste wichtige Schritt besteht darin, sich dieser Instanz bewusst zu werden. Ich stelle mir also vor, dass sie da ist. Ich gehe mit meiner Aufmerksamkeit in den Kopf, im Raum meines Herzens und in den Bauch. Ich spüre in mich hinein. Ich wandere durch meinen Körper, durch meine Gefühle und durch meine Gedanken wie der Besucher eines großen Parks. Ich suche dort nicht den Gärtner sondern meine Hebamme. Wo könnte sie sein? Was sagt mein Verstand dazu, was das Herz und was der Bauch? Ich frage sie um Rat. „Hallo Herz! Hast du die Hebamme gesehen?“ Vielleicht antwortet das Herz: „Ich wollte, sie wäre hier, aber sie ist bestimmt beim Verstand. Der hat gerade eine schlimme Gedankenattacke und ich komme nicht dazwischen.“

 

Ich lade dich ein, in deinem inneren Park spazieren zu gehen. Du trägst den Wunsch in dir, mit deiner Hebamme in Kontakt zu treten. Wie heißt sie oder wie möchtest du sie nennen? Ein vertrautes „Nanni“ oder lieber doch „weise Frau“? Gibst du ihr den Namen oder wartest du auf einen Impuls aus der Höhe oder der Körpertiefe? Du wirst deinen eigenen Weg gehen müssen. Dein inneres Land gehört dir und du bist dort die Schöpferin oder der Schöpfer.

 

Manchen Menschen hilft auch die Vorstellung eines Engels. Aber ich finde die Idee der Hebamme ganz sympathisch. Hebammen sind so körperlich. Die wissen, wo der Schuh drückt und der Magen grummelt. Sie kennen sich aus mit Kopfschmerzen und sehen auch die Verbindungen vom Kopf zum Herzen und vom Herzen zum Bauch. Du kannst sehr viel von ihnen lernen und im Laufe der Zeit wächst deine Vertrautheit mit deiner inneren Landschaft. Du kannst mit ihrer Unterstützung lernen, deine Parklandschaft zu pflegen und immer bewusster eigenständig für eine blühende Landschaft zu sorgen. Eine Hebamme zieht sich zurück, wenn sie ihre Arbeit erledigt hat. Vielleicht wirst du bei deiner Wanderung nach innen keine finden, weil du schon gut unterwegs bist. Du brauchst sie nicht mehr. Du kannst inzwischen gut die Verantwortung für dich übernehmen weil du das auf die Welt bringst, was in dir lebt. Dann stehe ich vor dir und staune und freue mich mit dir. Toll! Du lebst! Du füllst dein Leben aus! Herzlichen Glückwunsch!